Das partizipative Reallabor

Unter dem Motto „Energiewende.NRW – Bürgerschaftlich gestalten!“ initiierte das Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF) der Bergischen Universität Wuppertal im Herbst 2016 Bürgerbeteiligungsverfahren in Stadt und Land.

Rund 100 zufällig ausgewählte BürgerInnen der Städte Münster und Waldbröl setzten sich im Herbst 2016 intensiv mit dem Thema Energiewende in NRW in sogenannten „Partizipativen Reallaboren“ auseinander. Gefördert wurden diese vom Ministerium.

Was den Menschen im städtischen und im ländlichen Raum in Nordrhein-Westfalen wichtig ist, welche Erwartungen und Anforderungen sie an den Umbau des Energiesystems haben, fasst künftig ein Bürgergutachten transparent und kompakt zusammen.

Bürger gestalten den Umbau des Energiesystems

Die Energiewende ist eine der größten aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen – insbesondere für Nordrhein-Westfalen als führende Energie- und Klimaschutzregion in Europa. Dieser Transformationsprozess spiegelt sich auch in vielen Lebensbereichen der Bürgerinnen und Bürger wider: Ob als Verbraucher, Anwohner, Investoren, Stromerzeuger oder politische Akteure. Entsprechend kann ein grundlegender Umbau des Energiesystems nur gelingen, wenn die Zivilgesellschaft ihn mitgestaltet, mitbeschreitet und mitträgt. Partizipationsverfahren bilden deshalb wichtige Bausteine des Umbaus des Energiesystems.

Mit dem Partizipativen Reallabor entwickelte das IDPF ein spezifisches Beteiligungsformat, das gleichermaßen zur Bürgerbeteiligung und zur Herausbildung von sozial robustem Wissen für eine sozial kohärente Energiewende geeignet ist. Die Einbindung möglichst vieler Bevölkerungsgruppen, eines intensiven Austauschdialogs (deliberative Foren), und verschiedene Unterstützungsleistungen und Sachinformation (Empowerment) bilden wesentliche Bausteine.

Im westfälischen Münster und im Bergischen Land in Waldbröl initiierte das IDPF zwei Partizipative Reallabore im Herbst 2016. Die zufällig ausgewählte bunte Mischung an über 100 Bürgerinnen und Bürger diskutierte dort an vier aufeinanderfolgenden Tagen intensiv über Ziel und Weg der Energiewende.

Im Gespräch mit namhaften Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft stand dabei die Frage im Mittelpunkt, wie Energie vor Ort nachhaltig und bürgerschaftlich gedacht und das Wohnen und Arbeiten in Region, Kommune und im Quartier neu gestaltet werden kann.

Von der Energie aus der Biotonne über das Wohnen in autofreien Siedlungen bis hin zur Umsetzung eines Zero Waste Life Style, eines Lebens ohne Müll, formulierten die BürgerInnen vielfältige formulierten Prioritäten für eine erfolgreiche Energiewende in NRW.

Diese qualifizierten „bürgerschaftlichen“ Stellungnahmen und Empfehlungen werden zurzeit vom IDPF in einem Bürgergutachten zusammengeführt.

Allen, die sich an dieser Arbeit beteiligt haben, danken wir herzlich für ihre erfolgreiche Sacharbeit und ihr Engagement im Beteiligungsprozess!

Weiterführende Informationen zum methodischen Design des Partizipativen Reallabors:

Methodenblog [http://bblog.de/das-partizipative-reallabor/]

Lietzmann, Dankwart-Kammoun, Freier (2017), „Das partizipative Reallabor – Gestalten Bürger ihre Energiewende? Darstellung des methodischen Designs“, in: Kursbuch Bürgerbeteiligung, Jörg Sommer (Hg.), Berlin 2017 (im Erscheinen).